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Fahrbericht Nissan Qashqai

Der Nissan Qashqai verkaufte sich zwischen Januar und Oktober 2013 in Deutschland 22.485 Mal und ist somit das beliebteste SUV in der Kompaktklasse.

Der Nissan Qashqai ist das beliebteste Kompakt-SUV auf dem deutschen Markt. Demnächst kommt eine neue Generation auf die Straße und Motoren & Mehr testete die Familien- und Reisetauglichkeit des aktuellen asiatischen Crossover-Modells. Unser Erfahrungsbericht fällt jedoch durchaus gemischt aus.

Der Nissan Qashqai verkaufte sich zwischen Januar und Oktober 2013 in Deutschland 22.485 Mal und ist somit das beliebteste SUV in der Kompaktklasse. Seit sechs Jahren ist er auf deutschen Straßen zu sehen und erhält nun einen weiteren Generationswechsel. Wir sind das aktuelle Modell gefahren und haben es mit Kind, Kegel und Koffern einem Praxistest unterzogen.

Erster Eindruck – Außendesign

Von der Form her ist der Qashqai recht ansprechend und schnittig. Die Silhouette fällt nach hinten etwas ab, vorn präsentiert sich ein etwas bulliger, aber typischer Nissan-Grill. Die Motorhaube wölbt sich in Richtung der

gestreckten Scheinwerfer nach oben. Auf der Mitte der Motorhaube erheben sich zwei Schwunglinien, die auf das Logo im Kühlergrill zulaufen. Das macht den Wagen sportlich und dynamisch. Die Seitenlinie wird durch das nach hinten verjüngte Fenster der hinteren Tür stromlinienförmig. Das Heck ist gewohnt japanisch und er- zeugt bei uns keine Emotionsausbrüche. Aber das Gesamtbild stimmt. Der Nissan Qashqai ist vom Design her gelungen.

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Insgesamt ist der Wagen 4,33 Meter lang, etwa 1,61 Meter hoch und rund 1,78 Meter breit. Das ist kompakt genug, um in der Stadt Parklücken zu finden und groß genug, um vier Personen bequem zu transportieren. Die erhöhte Sitzposition, die ein SUV eben mitbringt, ist angenehm und gibt schnell Überblick über die Verkehrssituation.

Auf den zweiten Blick – Interieur

Das Interieur ist gewöhnungsbedürftig: viel Plastik und von der Haptik nicht wirklich schön. Die Stoffpolster gehören zur Standardausstattung. Die Mittelkonsole wird vom Schalthebel und der Handbremse dominiert. Darüber hinaus finden sich hier noch zwei Getränkehalter. Das Armaturenbrett ist übersichtlich. Auffällig sind die beiden Lüftungsauslässe in der Mitte und je ein weiterer an den Außenseiten des Armaturenbretts.

Diese wirken ein wenig zu präsent und sehen billig aus. Unter dem Radio mit CD-Player befindet sich die Regelung für die manuell einstellbare Klimaanlage, auch hier sind die Bedienelemente sehr einfach gestaltet. Am Lenkrad lässt sich der Bordcomputer steuern und zum Beispiel die Lautstärke des Radios regeln.

Die runden Armaturen selbst geben Auskunft über Geschwindigkeit, Drehmoment und Tankfüllstand. Zwischen ihnen gibt der Bordcomputer in digitaler Form Informationen wie Reichweite oder Außentemperatur weiter, die sich wie gesagt vom Lenkrad aus auch abrufen lassen. Darüber hinaus gibt es eine AUX-Schnitt- stelle und eine Blutooth-Funktion. Das Verstellen des Lenkrades ist ein wenig hakelig, die Sitzverstellung erfolgt manuell. Auch die Kopfstützen vorn müssen per Hand eingestellt werden. Das Handschuhfach ist groß genug, um mehr als nur die Sonnenbrille zu verstauen, zusätzlich gibt es aber noch Stauraum in den Türen, vorn und hinten.

Alles in allem ist das Innenleben praktisch und einfach gestaltet. Es wirkt ein wenig kühl und ist für unseren Geschmack zu plastikhaft. So sind uns auch die Blinkheber zu klobig im Design. Aber das Interieur ist funktionell und bringt in der Standardausstattung erst einmal alles mit, was man von einem praktischen Auto erwartet.

Motorisierung, Getriebe und Antrieb

Unter der Motorhaube unseres Testgefährts arbeitet ein 1,6 Liter Benzinmotor mit 117 PS und einem Fünf-Gang-Schaltgetriebe. Den Nissan Qashqai gibt es zwar auch wahlweise mit Allradantrieb, unser Modell ist aber ein Fronttriebler. Bei 4.000 Umdrehungen pro Minute kommt der Wagen auf sein maximales Drehmoment von 158 Nm. Der Qashsqai sprintet in 12 Sekunden auf 100 km/h und wird laut Papieren bis zu 181 km/h schnell. In unseren Testrunden lagen wir laut Tacho knapp darüber, allerdings mit nur einer Person und ohne Gepäck an Bord. Vollbeladen ist dieser Wert nicht zu schaffen. In den Tank passen 65 Liter. Der Emissionsausstoß liegt bei 144g CO2 pro Kilometer.

Laut Hersteller verbraucht der Wagen kombiniert 6,2 Liter auf 100 Kilometer. Da lagen wir permanent drüber. Unser Fahrverhalten lag bei einem Drittel Stadt und zwei Drittel Langstrecke. In der Regel verbrauchten wir aber wenigsten 7,2 Liter und kratzten auch ein oder zweimal an acht Litern Verbrauch.

Sitz- und Fahrkomfort

In der Stadt lässt sich der Qashqai gut fahren. Die erhöhte Position ist angenehm, da man vieles vor anderen, niedriger fahrenden Verkehrsteilnehmern sieht. Das Schalten macht nicht ganz so viel Spaß, da es nicht immer geschmeidig von einem in den anderen Gang geht. Was auf langen Strecken wirklich störend war, ist der Fakt, dass man quasi bei jedem Gang die Geschwindigkeit fast in den roten Drehzahlbereich treiben muss, damit beim Hochschalten kein Kraftverlust entsteht. Wer das nicht weiß, tut sich beispielsweise in den Kasseler Bergen schwer. Einmal das Prinzip verstanden, kann man sich drauf einstellen. Allerdings wird der Wagen auch etwas lauter in den höheren Drehzahlbereichen, was nicht wirklich zum Fahrvergnügen beiträgt. Was uns zudem auffiel, war das Fernlicht, das wir als nicht stark genug empfanden.

Die Sitze sind auf längeren Fahrten noch ganz in Ordnung, aber man sollte schon hin und wieder Pausen zum Strecken einlegen. Wir haben den Wagen mit vier Personen besetzt. Auf der Rückbank finden zwei Kinder locker Platz. Je nachdem, wer vorne sitzt, ist der Fußraum hinten ausreichend, kann aber eben schnell eng werden. Für die Kinder – sechs und sieben Jahre alt – war genügend Platz. Eigentlich sollte dann noch eine dritte Person hinten Platz haben, die darf dann aber nur sehr schmal sein.

Wer wie ich nur 1,62 Meter misst, hat keine Probleme ins Auto einzusteigen oder eine bequeme Position auf Fahrer- oder Beifahrersitz zu finden. Wer länger ist als 1,85 Meter dürfte schon eher Schwierigkeiten haben, sich wirklich gut und bequem zu platzieren. In unserem Fall war der Beifahrer 2,02 Meter und der hatte gerade auf langen Fahrten seine Not, sowohl mit dem Sitz als auch mit der Sitzposition.

Stauraum

Ohne umgeklappte Rückbank stehen hier 410 Liter Stauraum zur Verfügung. Das reicht durchaus für zwei Wasserkisten und den Einkauf – in Tüten dann aber bitte. Das mag für einen Kurzurlaub mit zwei mittelgroßen Koffern oder die Golfausrüstung plus Sporttasche reichen. Wir gingen aber aufs Ganze und planten für zwei Wochen mit vier Personen, Koffer, Spielsachen und mehr. Und damit kamen wir schnell an die Grenzen der Stauraummöglichkeiten. In unserem Praxisszenario bekamen wir nicht alles in den Kofferraum und mussten mGepäck zurücklassen. Natürlich kann man die Rückbank umlegen, auch geteilt im Verhältnis ein Drittel, zwei Drittel. Dann erhält man 1.513 Liter Stauraum. Damit hätten wir sicher das gesamte Gepäck verstaut, hätten aber die Kinder zurücklassen müssen.

Fazit

Unser Lieblingsauto ist der Nissan Qashqai nicht. Die hakelige Schaltung und das erzwungene Ausfahren der Gänge, die den Wagen dann einfach laut machen, ist nicht unser Verständnis von Fahrvergnügen. Als Familie sollte man genau planen, was alles mit darf, aber das ist nichts Negatives, zwingt es doch zur Besinnung auf das, was wirklich wichtig ist und man beschwert sich und den Wagen nicht unnötig. Die Innenraum-Optik ist auch nicht wirklich nach unserem Geschmack, aber eben praktisch und intuitiv bedienbar.

Trotz aller Kritik ist der Nissan Qashqai sicher zu Recht einer der beliebtesten SUVs in der Kompaktklasse, wenn vielleicht nicht gerade in der untersten Ausstattungsvariante. Das Design ist schick, die Sitzposition richtig gut und das Interieur ist praktisch und funktionell gestaltet. Wir würden trotzdem empfehlen, ein paar Euro mehr zu investieren, sei es in die Motorisierung und/oder in die Ausstattung. Und wem der Innenraum größentechnisch gar nicht ausreicht, der kann auf den Nissan Qashqai +2 ausweichen, der bietet 21 cm mehr Länge beim Platzangebot. Da kann man sich dann für mehr Beinfreiheit für die Rückbank oder gar für eine dritte Sitzbank entscheiden.

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[ubr]

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